4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylamin (2C-B)
Auch bekannt als: Nexus, Bromo-Mescaline, Venus, Pink Cocaine
Was ist 2-CB?
2-CB (4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylamin, C₁₀H₁₄BrNO₂) ist ein synthetisches Psychedelikum aus der 2C-Familie — einer Klasse von Phenethylaminen, die der amerikanische Chemiker Alexander Shulgin in den 1970–80er Jahren entwickelte und in seinem Buch PIHKAL (Phenethylamines I Have Known and Loved, 1991) dokumentierte. 2-CB gilt als eines der beliebtesten synthetischen Psychedelika auf dem Schwarzmarkt, da es psychedelische und entaktogene Eigenschaften kombiniert und eine kürzere Wirkdauer als LSD hat.
Bekannt unter Straßennamen wie Nexus, Venus, Bromo-Mescaline oder "Pink Cocaine" (fälschlicherweise — enthält kein Kokain). In Kolumbien und manchen Märkten als "Tusi" (pinkfarbenes Pulver, häufig mit Ketamin/MDMA gestreckt). Marktpräsenz steigt in Europa laut EMCDDA-Monitoringberichten.
Geschichte & Entdeckung
2-CB wurde 1974 von Alexander Shulgin synthetisiert als Teil seiner systematischen Erforschung der Phenethylamin-Klasse. In den frühen 1980ern wurde es kurz als legale Therapiehilfe in der Psychotherapie eingesetzt (ähnlich wie MDMA zuvor), vor allem in der Paartherapie und Traumabehandlung. 1985 wurde es in den USA unter das Analogue Act gestellt; 1993 in die deutschen BtMG-Anlagen aufgenommen.
Im Gegensatz zu LSD oder Psilocybin war 2-CB lange kaum bekannt außerhalb spezialisierter Kreise. In den 2010–20ern stieg die Verfügbarkeit durch Darknet-Märkte stark an. EMCDDA Early Warning System hat mehrere 2C-Analoga seit 2015 als aufkommende Bedrohungen gemeldet.
Wirkungsweise & Chemie
2-CB ist ein voller Agonist am 5-HT2A-Serotonin-Rezeptor (psychedelische Wirkung) und zusätzlich an 5-HT2B und 5-HT2C-Rezeptoren aktiv. Im Gegensatz zu reinen 5-HT2A-Agonisten wie LSD aktiviert 2-CB auch Dopamin-Rezeptoren (D2, D3) und α-Adrenozeptoren, was die entaktogene, körperlich-stimulierende Komponente erklärt.
Das Bromatom in der 4-Position (im Vergleich zu 2C-H ohne Brom) erhöht die Lipophilität und 5-HT2A-Affinität deutlich. Oral aktiv ohne MAOI; Onset 45–75 Minuten; Halbwertszeit ~6h. Dosisabhängiger Schwellenwert: 10–15 mg eher entaktogen-euphorisch, 20–30 mg deutlich psychedelisch mit starken visuellen Halluzinationen.
Wirkung & Effekte
2-CB kombiniert psychedelische und entaktogene Eigenschaften — in der Szene oft als "sanfteres LSD mit MDMA-Wärme" beschrieben:
- Visuelle Halluzinationen — Farben intensiviert, geometrische Muster, Oberflächenbewegungen
- Euphorie und Empathie — durch Dopamin-Komponente stärker als bei LSD
- Körpergefühl — angenehmes Kribbeln, Wärme, Herzrasen
- Introspektive Tiefe — aber weniger überwältigend als LSD oder Psilocybin
- Sexuelle Stimulation — häufig beschrieben; senkt Hemmungen
- Manageable Duration — kürzere Wirkdauer (4–6h vs. 8–12h LSD) als Vorteil wahrgenommen
Nasale Einnahme beschleunigt den Onset deutlich (~30 Min), ist aber extrem schmerzhaft (Brennen, Schleimhautreizung).
Risiken & Nebenwirkungen
Das körperliche Toxizitätsprofil von 2-CB ist gering bei korrekter Dosierung. Häufige Nebenwirkungen: Herzrasen, Blutdruckanstieg, Muskelzittern, Übelkeit (besonders bei höheren Dosen oder nüchternem Magen). Psychische Risiken: Bad Trip bei falscher Dosierung oder psychischer Vorbelastung; Panikattacken; Auslösung latenter Psychosen.
Spezifisches Risiko: Serotonin-Syndrom in Kombination mit SSRIs, MAOIs oder anderen Serotonergika. "Tusi/Pink Cocaine" auf dem Schwarzmarkt ist häufig mit unbekannten Substanzen gestreckt — Testkit obligatorisch. Kein Antidot; medizinische Behandlung symptomatisch.
Abhängigkeit & Toleranz
2-CB hat kein signifikantes Abhängigkeitspotenzial. Schnelle Kreuztoleranz mit anderen 5-HT2A-Agonisten (LSD, Psilocybin). Kein Entzugssyndrom, keine körperliche Abhängigkeit. Psychologisches Craving bei kleiner Nutzergruppe beschrieben, aber kein klinisch relevantes Suchtmuster.
Rechtslage in Deutschland
2-CB steht in Deutschland unter BtMG Anlage I seit 1993 — nicht verkehrsfähig, nicht verschreibungsfähig. Besitz, Handel und Herstellung sind strafbar. Analoge der 2C-Familie sind zunehmend auch im NpSG (Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz) erfasst. Als "Tusi/Pink Cocaine" importiertes Material ist strafrechtlich genauso zu behandeln.
Forschung & Therapiepotenzial
2-CB wird im Rahmen der Psychedelika-Renaissance als mögliches Therapiemittel diskutiert, hinkt aber Psilocybin und MDMA in der klinischen Forschung weit hinterher. Historisch wurde es in den frühen 1980ern in der Psychotherapie eingesetzt. Aktuelle Publikationen konzentrieren sich auf Pharmakologie und Epidemiologie. EMCDDA: Drug Profiles | Erowid 2C-B.
Harm Reduction
Krisentelefon: 0800 111 0 111 (BZgA, kostenlos, 24/7).
- Testkit obligatorisch — besonders bei "Tusi/Pink Cocaine": Marquis, Mecke, Froehde identifizieren 2-CB zuverlässig; unbekannte Streckmittel aufdecken
- Dosis klein halten — Schwellenwert: 10–15 mg; höhere Dosen deutlich intensiver
- Nasal vermeiden — extreme Schleimhautreizung, erhöhtes Risiko durch unkalkulierbare Absorption
- Keine SSRIs/MAOIs — Serotonin-Syndrom-Risiko
- Set & Setting — wie bei allen Psychedelika: vertrautes Umfeld, Trip-Sitter
Verwandte Substanzen & Zusammenhänge
2-CB steht in der Mitte zwischen klassischen Tryptamin-Psychedelika (LSD, Psilocybin) und dem Empathogen MDMA. Als Phenethylamin ist es strukturell mit Mescalin verwandt.
- MDMA — ähnliche Empathie/Euphorie-Komponente; 2-CB psychedelischer
- LSD — stärker psychedelisch, länger, weniger körperlich
- Mescalin — natürlicher Phenethylamin-Verwandter
- MDEA (Eve) — MDMA-Analogon, ebenfalls entaktogen
Häufige Fragen zu 2-CB
Was unterscheidet 2-CB von MDMA?
2-CB ist psychedelischer als MDMA (wirkt auf 5-HT2A wie LSD) und entaktogener als LSD. Visuelle Halluzinationen sind typisch für 2-CB. Körperliche Wirkung (Euphorie, Empathie) wie MDMA, aber schwächer.
Ist 2-CB gefährlich?
Moderate Risiken: psychische Auslösung (Bad Trip) bei Vorbelastung, Herzrasen. Körperliche Toxizität gering. Gefährlich wird es bei unbekannten Dosen, Fälschungen und Kombinationen mit anderen Serotonergen.