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StartDrogen-LexikonStimulanzienAmphetamin
Stimulanzien

Amphetamin (Alpha-Methylphenethylamin)

Auch bekannt als: Speed, Pep, Weiß, Dextroamphetamin

Formel: C₉H₁₃N Entdeckt: 1887 (Lazăr Edeleanu)
Medizinischer Hinweis: Alle Informationen dienen der Aufklärung. Bei Suchtproblemen: drugcom.de oder 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7).

Was ist Amphetamin?

Amphetamin ist ein synthetisches Stimulans aus der Klasse der Phenethylamine. Die Substanz ist strukturell eng mit dem körpereigenen Neurotransmitter Phenethylamin verwandt und gehört zur gleichen chemischen Familie wie MDMA und Methamphetamin.

Auf dem Schwarzmarkt tritt Amphetamin vor allem als Amphetaminsulfat auf, bekannt unter den Straßennamen Speed oder Pep – ein weißes bis gelbliches Pulver, das geschnupft, geschluckt oder seltener injiziert wird. Der Reinheitsgehalt auf dem Schwarzmarkt schwankt erheblich (5–60 %), Streckmittel sind häufig.

Medizinisch zugelassene Amphetamin-Derivate spielen eine wichtige Rolle: Dextroamphetamin (der rechtsdrehende Enantiomer) ist in Deutschland als Attentin für ADHS zugelassen; Lisdexamphetamin (Vyvanse) ist ein Prodrug, das im Körper zu Dextroamphetamin umgewandelt wird und gezielt für ADHS und Binge-Eating-Störung zugelassen ist. In den USA ist Adderall (gemischte Amphetaminsalze) das meistverordnete ADHS-Medikament überhaupt. Die therapeutische Nutzung unter ärztlicher Aufsicht unterscheidet sich fundamental vom unkontrollierten Freizeitkonsum.

Geschichte & Entdeckung

Amphetamin wurde 1887 erstmals vom rumänischen Chemiker Lazăr Edeleanu in Berlin synthetisiert – zunächst ohne pharmakologische Beachtung. Erst 1929 beschrieb Gordon Alles die psychostimulierende Wirkung, und 1934 brachte Smith, Kline & French das Benzedrin-Inhalationsgerät auf den Markt – offiziell gegen Nasenverstopfung und Asthma, schnell aber als mentales Aufputschmittel genutzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Amphetamine systematisch von nahezu allen Kriegsparteien eingesetzt: Die Wehrmacht verteilte Pervitin (Methamphetamin) en masse an Soldaten, die britische RAF und die US Army nutzten Benzedrin. Schätzungen zufolge wurden allein in Deutschland über 35 Millionen Pervitin-Tabletten an die Wehrmacht ausgegeben.

In den 1950er und 60er Jahren wurden Amphetamine als Appetitzügler, Antidepressiva und Leistungssteigerer breit vermarktet. Die aufkommende Missbrauchsproblematik führte schrittweise zu Restriktionen. Heute ist Amphetamin in der Medizin auf die ADHS-Behandlung fokussiert, während auf dem Schwarzmarkt weiterhin Amphetaminsulfat (Speed) zirkuliert – und Methamphetamin in einigen Regionen Europas zunimmt.

Wirkungsweise & Chemie

Amphetamin wirkt über zwei komplementäre Mechanismen auf monoaminerge Neurotransmittersysteme: Erstens dringt es als sogenanntes Substrat in präsynaptische Neuronen ein und löst dort eine aktive Freisetzung von Dopamin und Noradrenalin aus den Speichervesikeln (VMAT-Inhibition + reverser Transport über DAT/NET). Zweitens hemmt es gleichzeitig die Wiederaufnahme-Transporter, sodass die freigesetzten Neurotransmitter länger im synaptischen Spalt verbleiben.

Dieser aktive Freisetzungsmechanismus unterscheidet Amphetamin fundamental von Kokain, das nur als Transporter-Blocker wirkt ohne aktive Freisetzung auszulösen. Das erklärt die längere Wirkdauer von Amphetamin (6–12 Stunden gegenüber 30–60 Minuten bei Kokain) und das stärkere Ausmaß der Dopaminfreisetzung.

Periphere sympathomimetische Effekte entstehen durch die Noradrenalin-Freisetzung: Blutdruck und Herzfrequenz steigen, Bronchien weiten sich, Appetit wird unterdrückt (Hemmung des Hypothalamus), und die Körpertemperatur erhöht sich. Die Enantiomerie ist pharmakologisch relevant: Dextroamphetamin (d-Amphetamin) wirkt stärker auf das ZNS, Levoamphetamin (l-Amphetamin) stärker peripher – weshalb medizinische Präparate oft nur das d-Isomer enthalten.

Wirkung & Effekte

Die Wirkung von Amphetamin setzt 30–60 Minuten nach oraler Einnahme ein; bei intranasaler Aufnahme schneller (10–20 Minuten). Die Gesamtdauer beträgt 6–12 Stunden – erheblich länger als bei Kokain. Diese lange Wirkdauer macht Amphetamin auch für den Schwarzmarkt-Gebrauch (weniger häufiger Nachkonsum nötig) und für die medizinische ADHS-Therapie (einmal täglich dosierbar) attraktiv.

Zu den typischen psychischen Effekten zählen: gesteigerte Energie und Wachheit, verbesserte Konzentration und Fokus (besonders bei ADHS therapeutisch genutzt), Euphorie (weniger intensiv als bei Kokain), gesteigertes Selbstbewusstsein und Redseligkeit, verringertes Schlafbedürfnis sowie Appetitunterdrückung.

Die Crash-Phase nach Ende der Wirkung ist charakteristisch: Tiefe Erschöpfung, depressive Verstimmung, Hunger und Schlafbedürfnis kehren intensiv zurück – oft stärker als vor dem Konsum ("Rebound"). Langfristig erhöhter Konsum führt zu einem Zustand chronischer Erschöpfung, Unterernährung, gestörtem Schlaf-Wach-Rhythmus und emotionaler Instabilität. Höhere Dosen können Angstzustände, Panikattacken und paranoide Gedanken auslösen.

Risiken & Nebenwirkungen

Das akute kardiovaskuläre Risiko von Amphetamin ist real, wenn auch geringer als bei Kokain: Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruckkrisen und in seltenen Fällen Herzinfarkte oder Schlaganfälle sind möglich, besonders bei vorbestehenden Herzerkrankungen oder sehr hohen Dosen.

Das gravierendste psychiatrische Risiko ist die Amphetamin-induzierte Psychose: Bei Überdosierung oder anhaltendem Konsum können Paranoia, akustische Halluzinationen und desorganisiertes Denken auftreten, die klinisch kaum von einer akuten Schizophrenie zu unterscheiden sind. Diese Psychosen können bei prädisponierten Personen auch nach Absetzen anhalten. Chronischer Konsum schädigt dopaminerge Neuronensysteme dauerhaft.

Weitere Risiken: Chronische Unterernährung durch anhaltende Appetitunterdrückung; schwere Schlafstörungen und Erholungsdefizite mit immunologischen Folgen; bei intranasalem Konsum Schäden der Nasenschleimhaut; Hyperthermie (gefährliche Überhitzung) besonders bei körperlicher Aktivität oder heißen Umgebungstemperaturen. Streckmittel im Schwarzmarkt-Speed (Koffein, MSM, Backpulver, aber auch Isopropylbenzylamin – N-ISO – das keine Stimulanzwirkung hat) sind ein eigenständiges Risiko.

Abhängigkeit & Entzug

Amphetamin hat ein hohes psychisches Abhängigkeitspotenzial, das auf einer Skala von 1–10 typischerweise mit 7/10 bewertet wird. Die Abhängigkeit basiert auf der Erschöpfung des Dopaminsystems: Nach anhaltendem Konsum sinkt die Grundfähigkeit, Freude ohne Stimulans zu empfinden (Anhedonie), was den Konsum zur scheinbaren Normalitätswiederherstellung antreibt.

Toleranzentwicklung tritt bei regelmäßigem Konsum schnell ein: Für dieselbe Wirkung werden zunehmend höhere Dosen benötigt. Eine Kreuztoleranz zwischen Amphetamin und Methamphetamin sowie zu anderen Stimulanzien besteht.

Der Entzug von Amphetamin ist nicht akut lebensbedrohlich (kein Vergleich zu Alkohol- oder Benzodiazepin-Entzug), aber klinisch bedeutsam: Extreme Erschöpfung ("Crash"), verlängerter Schlaf (Hypersomnie), Depressionen, Reizbarkeit, intensives Craving und kognitive Verlangsamung können Wochen bis Monate andauern. Medikamentöse Entzugsbehandlung ist symptomatisch (Schlafmittel, Antidepressiva). Stationäre Behandlung bei schwerer Abhängigkeit empfohlen; Verhaltenstherapie ist der Hauptpfeiler der Langzeitbehandlung.

Rechtslage in Deutschland

Amphetamin und seine Salze sind in Deutschland in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) eingestuft – das bedeutet: grundsätzlich verschreibungsfähig für zugelassene medizinische Indikationen. Konkret zugelassene Präparate für ADHS sind Attentin (Dexamphetaminsulfat) und Vyvanse (Lisdexamphetamin); beide werden auf Betäubungsmittelrezept verordnet.

Amphetaminsulfat ohne Rezept (Schwarzmarkt-Speed) ist strafbar: Erwerb, Besitz, Handel und Herstellung ohne Genehmigung sind Straftaten nach § 29 BtMG. Die Praxis bei geringen Mengen für den Eigenbedarf ist wie bei Kokain bundeslandabhängig – einige Staatsanwaltschaften stellen Verfahren ein, andere erheben Anklage. Bei größeren Mengen oder Handelsverdacht drohen mehrjährige Freiheitsstrafen.

In mehreren EU-Ländern ist die Rechtslage ähnlich: Medizinische Nutzung (ADHS) ist in vielen Ländern erlaubt, nichtmedizinischer Besitz kriminalisiert. In den USA sind Amphetaminsalze (Adderall) als Schedule-II-Substanzen reguliert, aber weitaus häufiger verschrieben als in Deutschland – was zu einer erheblichen Diversion (Weitergabe verschriebener Medikamente) führt. Eine Legalisierung von Schwarzmarkt-Amphetamin ist in keinem EU-Land diskutiert.

Medizin & aktuelle Studien

Amphetamin gehört zu den am besten erforschten psychoaktiven Substanzen überhaupt – hauptsächlich im Kontext der ADHS-Behandlung. Die Wirksamkeit von Amphetaminsalzen und Lisdexamphetamin bei ADHS (Kinder und Erwachsene) ist durch hunderte kontrollierte Studien belegt und in Leitlinien weltweit verankert.

Neuere Forschungsfelder umfassen:

ADHS bei Erwachsenen: Wachsendes Bewusstsein für ADHS-Diagnosen im Erwachsenenalter führt zu zunehmenden Verschreibungen; Langzeitsicherheitsdaten verbessern sich (PubMed: amphetamine ADHD adults).

Binge-Eating-Störung: Lisdexamphetamin (Vyvanse) ist in den USA und Deutschland für schwere Binge-Eating-Störung zugelassen – eine der wenigen Zulassungserweiterungen über ADHS hinaus (PubMed: Lisdexamphetamin Binge Eating).

Vergleich mit Nicht-Amphetamin-Optionen: Modafinil, Atomoxetin und Methylphenidat werden intensiv mit Amphetaminsalzen verglichen – ohne dass ein klarer Gewinner bezüglich Wirksamkeit existiert (NIDA Stimulants).

Ressourcen: BfArM | drugcom.de

Harm Reduction

Da Amphetamin (Speed) auf dem Schwarzmarkt häufig stark gestreckt ist – mit inaktiven Substanzen wie MSM oder Koffein, aber auch mit dem gefährlichen Isomer N-ISO (N-Isopropylbenzylamin), das keine Stimulanzwirkung hat, aber dennoch Körper und Psyche belastet – ist das Testen der Substanz vor dem Konsum unverzichtbar:

  • Marquis-Test: Amphetamin ergibt eine orange-braune bis rötlich-braune Verfärbung – MDMA würde violett-schwarz reagieren; keine Reaktion oder blaue Verfärbung deutet auf Streckmittel hin
  • Keine Kombination mit anderen Stimulanzien: Kokain, MDMA oder Koffein in großen Mengen multiplizieren das kardiovaskuläre Risiko
  • Ernährung und Schlaf nicht vernachlässigen: Durch die Appetitunterdrückung regelmäßig essen (auch wenn kein Hunger besteht); ausreichend Wasser trinken; Schlafphasen einplanen
  • Pausen einhalten: Kein Dauerkonsum; nach einem Binge Erholungszeit einplanen
  • Bei Psychose-Symptomen (Paranoia, Stimmen, Wahnideen): sofort Konsum beenden, vertraute Person kontaktieren; bei Eskalation Arzt aufsuchen oder Notruf 112
  • Herzrasen, Brustschmerzen oder extrem hoher Blutdruck: Notruf 112

Krisentelefon: 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7) | Informationen & Beratung: drugcom.de

Verwandte Substanzen & Zusammenhänge

Amphetamin steht im Zentrum einer breiten Substanzfamilie – die Phenethylamine. Viele bekannte psychoaktive Substanzen sind strukturell abgeleitete Varianten, die je nach Substitutionsmuster sehr unterschiedliche pharmakologische Profile zeigen.

  • MDMA (Ecstasy) – strukturell ähnlich (N-Methyl-3,4-Methylendioxyamphetamin), aber mit dominanter Serotonin-Freisetzungskomponente; entaktogende (einfühlsame) Wirkung statt reiner Stimulation; stärkere neurotoxische Risiken bei wiederholtem Konsum
  • Kokain – pharmakologisch gleiche Klasse (Monoamin-Wirkstoff), aber anderer Mechanismus (nur Reuptake-Inhibition statt aktiver Freisetzung); kürzere Wirkdauer (30–60 Min vs. 6–12 h), höheres akutes kardiovaskuläres Risiko, ebenfalls hohes Suchtpotenzial
  • Methamphetamin (Crystal Meth) – N-methyliertes Amphetamin-Derivat; überquert die Blut-Hirn-Schranke deutlich schneller und vollständiger; intensiverer, länger anhaltender Effekt (bis 24 h); erheblich höheres Neurotoxizitäts- und Suchtpotenzial; in Deutschland nicht als ADHS-Medikament zugelassen (anders als in den USA: Desoxyn)

Innerhalb der medizinischen Amphetamine sind die Unterschiede zwischen Racematen und Enantiomeren klinisch relevant: Dextroamphetamin (d-Amphetamin) wirkt stärker ZNS-stimulierend als Levoamphetamin; Lisdexamphetamin als Prodrug hat ein geringeres Missbrauchspotenzial, da es erst im Körper aktiv wird.

Häufige Fragen zu Amphetamin

Wie lange ist Speed nachweisbar?

Im Urin 2–5 Tage, im Blut 1–3 Tage, im Haar bis zu 90 Tage.

Was ist der Unterschied zwischen Speed und MDMA?

Speed (Amphetamin) wirkt vorwiegend stimulierend, MDMA zusätzlich empathogen/entaktogen. Der Simons-Test unterscheidet beide: MDMA reagiert blau, Amphetamin nicht.

Wird Amphetamin medizinisch eingesetzt?

Ja, Dextroamphetamin (z. B. Adderall) wird bei ADHS und Narkolepsie eingesetzt, in Deutschland weniger verbreitet als Methylphenidat (Ritalin).

Was sind die gesundheitlichen Risiken?

Herzprobleme, Schlafstörungen, Psychosen bei Dauerkonsum, Mangelernährung durch Appetitunterdrückung, psychische Abhängigkeit.

Quellen & weiterführende Links

drugcom.de (BZgA) Amphetamine — drugcom.de
CC
Redaktionell geprüft von der CannaCheck-Redaktion Zuletzt aktualisiert: 25.06.2026 — Alle Inhalte werden regelmäßig auf Aktualität geprüft. Quellen: BZgA, EMCDDA, BfArM.