Bei der Cannabis-Verschreibung wählt dein Arzt nicht nur die Dosis, sondern auch die passende Sorte. Indica, Sativa und Hybride wirken unterschiedlich — und nicht jede Sorte ist für jede Indikation geeignet. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Unterschiede.
Indica vs. Sativa: Die Grundlagen
Die Einteilung in Indica und Sativa beschreibt ursprünglich die botanische Herkunft der Pflanze. Im medizinischen Kontext hat sich die Bedeutung verschoben — heute stehen diese Begriffe für unterschiedliche Wirkprofile:
Cannabis Indica
- Wirkprofil: Entspannend, körperbetäubend, sedierend
- Typische Terpene: Myrcen, Linalool, Beta-Caryophyllen
- Am besten geeignet für: Schmerzen, Schlafstörungen, Muskelverspannungen, MS-Spastizität
- Wann einnehmen: Abends und nachts
- THC-Gehalt: Oft 18–25% THC bei medizinischen Sorten
Cannabis Sativa
- Wirkprofil: Anregend, fokussierend, stimmungsaufhellend
- Typische Terpene: Limonen, Pinen, Terpinolen
- Am besten geeignet für: Depressionen, ADHS, Fatigue, Appetitstimulation
- Wann einnehmen: Morgens und tagsüber
- THC-Gehalt: Variiert stark, oft 15–22%
Hybride
Die meisten kommerziell erhältlichen medizinischen Cannabis-Sorten sind Hybride — Kreuzungen mit Eigenschaften beider Typen. Sie können Indica-dominant, Sativa-dominant oder ausgewogen sein und bieten oft die beste Balance aus Wirksamkeit und Verträglichkeit.
Cannabis-Rezept online beantragen?30 Anbieter verglichen — günstigster 9,99 €
Zum Vergleich →THC und CBD: Die wichtigsten Wirkstoffverhältnisse
| Verhältnis | Charakteristik | Geeignet für |
|---|---|---|
| Hoch-THC (20:1) | Stark psychoaktiv, potente Schmerzlinderung | Chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit |
| Ausgewogen (1:1) | THC-Effekt abgemildert durch CBD | Angststörungen, PTBS, Erstpatienten |
| Hoch-CBD (1:20) | Kaum psychoaktiv, entzündungshemmend | Epilepsie, Entzündungen, Kinder |
| THC-dominant (4:1) | Gute Wirkung mit mildem High | ADHS, Depressionen, Übelkeit |
Terpene: Warum die Sorte mehr als THC-Gehalt zählt
Terpene sind ätherische Öle, die Geruch, Geschmack und Wirkung der Sorte mitbestimmen. Durch den sogenannten Entourage-Effekt verstärken oder mildern Terpene die THC/CBD-Wirkung erheblich.
- Myrcen: Erdiger Geruch, sedierend — verstärkt den Indica-Effekt
- Limonen: Zitrusartig, stimmungsaufhellend — typisch für Sativa
- Beta-Caryophyllen: Pfeffrig, entzündungshemmend, bindet direkt an CB2-Rezeptoren
- Pinen: Harzartig, konzentrationssteigernd, bronchienerweiternd
- Linalool: Lavendelartig, angstlösend, schlaffördernd
Welche Sorten gibt es auf Rezept in der Apotheke?
Deutsche Apotheken führen hunderte von zugelassenen Cannabis-Sorten als Blüten, Extrakte und Fertigarzneimittel. Die häufigsten verfügbaren Typen:
Blüten (Flos)
Getrocknete Cannabisblüten sind die meistverordnete Form. Sie werden mit einem medizinischen Vaporizer inhaliert — nicht geraucht. In Deutschland zugelassen sind Sorten aus GMP-zertifiziertem Anbau in Kanada, den Niederlanden, Portugal und Deutschland.
Typische Sorten in deutschen Apotheken (Auswahl nach Verfügbarkeit):
- Bedrocan (22% THC, Sativa-dominant, Niederlande)
- Bediol (6,3% THC / 8% CBD, Hybrid, Niederlande)
- Bedrobinol (13,5% THC, Indica-dominant)
- THC-reiche Sorten aus Kanada: Verschiedene 18–24% THC Indica/Sativa
- Deutsche Anbausorten: Aurora, Demecan, Tilray, Wayland
Extrakte und Öle
Cannabisöle haben den Vorteil einer präzisen, gleichmäßigen Dosierung. Standardisierte Extrakte mit definierten THC/CBD-Gehalten werden in Apotheken individuell hergestellt oder als Fertigpräparat geliefert.
Fertigarzneimittel
- Sativex: THC/CBD-Mundspray, zugelassen für MS-Spastizität
- Dronabinol: Synthetisches THC in Kapseln/Lösung
- Epidiolex: CBD-Lösung, zugelassen für bestimmte Epilepsieformen
- Nabilon: Synthetisches Cannabinoid gegen Chemotherapie-Übelkeit
Wie bekomme ich eine bestimmte Sorte auf Rezept?
Der Arzt verschreibt in der Regel eine Sortengruppe (z.B. „THC-reiche Indica-Blüten mit ca. 20% THC") statt einer spezifischen Marke. Die Apotheke bestimmt dann die tatsächlich ausgegebene Sorte je nach Verfügbarkeit. Du kannst aber Präferenzen äußern.
Für ein Cannabis-Rezept brauchst du:
- Ein Gespräch mit einem Arzt — am schnellsten über eine Cannabis-Teleklinik
- Eine geeignete Indikation (Schmerzen, PTBS, ADHS, Schlafstörungen u.a.)
- Das Rezept von der Apotheke einlösen lassen
Häufige Fragen zu Cannabis-Sorten
Was ist besser: Indica oder Sativa?
Es gibt kein „besser" — es kommt auf die Indikation an. Für abendliche Schmerztherapie oder Schlaf: Indica. Für Konzentration, Stimmung und Alltag: Sativa. Dein Arzt berät dich nach deinen Symptomen.
Welche Sorte hat den höchsten THC-Gehalt?
In deutschen Apotheken sind Sorten bis ca. 22–24% THC verfügbar. Für die meisten Patienten ist ein mittlerer THC-Gehalt von 15–20% optimal — höher ist nicht immer besser.
Kann ich die Sorte selbst wählen?
Du kannst Präferenzen äußern, aber die Verfügbarkeit schwankt. Der Arzt verschreibt eine Kategorie, die Apotheke bestimmt die konkrete Sorte.
Wo bekomme ich das Rezept?
Über deinen Hausarzt oder eine Cannabis-Teleklinik. Testsieger CannaZen stellt Rezepte ab 9,99 € aus. Alle Anbieter im Vergleich →
Wie teuer sind Cannabis-Blüten in der Apotheke?
Blüten kosten je nach Sorte und Herkunft 7–18 € pro Gramm. Ein monatlicher Bedarf von 20 g schlägt mit ca. 150–300 € zu Buche. Vollständige Kostenübersicht →