Wichtiger Hinweis: Die Epilepsie-Behandlung mit Cannabis (Epidyolex) gehört in die Hand eines Neurologen. Standard-Telekliniken verschreiben Epidyolex in der Regel nicht. Dieser Artikel dient der Information.

Das Wichtigste in Kürze

  • CBD (Cannabidiol), nicht THC, ist der wirksame Stoff bei Epilepsie
  • Epidyolex (100 mg/ml CBD-Lösung) ist seit 2019 in der EU zugelassen
  • Indikationen: Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS), TSC-assoziierte Anfälle
  • THC kann bei Epilepsie Anfälle begünstigen — in der Regel kontraindiziert
  • GKV-erstattungsfähig für zugelassene Indikationen

Warum CBD bei Epilepsie wirkt

Das Endocannabinoid-System spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation neuronaler Erregbarkeit. CBD wirkt über mehrere Mechanismen antiepileptisch:

  • TRPV1-Modulation: Dämpft Überaktivität im limbischen System
  • GPR55-Antagonismus: Hemmt einen Rezeptor, der mit Pro-Konvulsion assoziiert ist
  • Adenosin-Uptake-Hemmung: Erhöht adenosin-vermittelte Inhibition
  • Natriumkanal-Modulation: Ähnlich wie klassische Antiepileptika (Carbamazepin, Lamotrigin)

Wichtig: THC bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn und kann — besonders bei hohen Dosen — die neuronale Erregbarkeit erhöhen. Daher wird THC bei Epilepsie nicht eingesetzt.

Die Schlüssel-Studien

GWPCARE-Studien (GW Pharmaceuticals, 2016–2018)

Die pivotalen Zulassungsstudien für Epidyolex umfassten über 800 Patienten mit Dravet-Syndrom und LGS:

Studie Patienten Ergebnis CBD vs. Placebo
GWPCARE1 (Dravet) 120 Patienten −39 % Anfälle vs. −13 % Placebo
GWPCARE2 (Dravet) 199 Patienten −46 % Anfälle, 5 % anfallsfrei
GWPCARE3 (LGS) 171 Patienten −37 % Drop Attacks vs. −17 %
GWPCARE4 (LGS) 225 Patienten −42 % Drop Attacks vs. −17 %

Quelle: Devinsky et al., NEJM 2017; Thiele et al., The Lancet 2018

TSC-Studie (Tuberous Sclerosis Complex)

2021 wurde Epidyolex in der EU auch für TSC-assoziierte Anfälle zugelassen, basierend auf der CARE3-Studie: −48 % Anfallsfrequenz bei CBD vs. −24 % bei Placebo (n=224).

Epidyolex in Deutschland — Was Patienten wissen müssen

Aspekt Details
Wirkstoff Cannabidiol 100 mg/ml (Lösung zum Einnehmen)
Indikationen Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom, TSC (ab 2 Jahren)
Verschreibung Nur Neurologen/Kinderneurologen — nicht Teleklinik
Krankenkasse GKV-erstattungsfähig (zugelassene Indikation)
Dosis (Start) 2,5 mg/kg/d, Steigerung auf 5–20 mg/kg/d
Häufigste Nebenwirkungen Schläfrigkeit, Appetitverlust, Leberwerterhöhung, Durchfall

Wechselwirkungen — Kritisch!

CBD wird über CYP3A4 und CYP2C19 abgebaut und hemmt diese Enzyme gleichzeitig. Das hat direkte Auswirkungen auf die Spiegel häufiger Antiepileptika:

Medikament Wechselwirkung Maßnahme
Clobazam (Onfi) Spiegel um 300–500 % erhöht Clobazam-Dosis reduzieren
Valproat Erhöhtes Risiko für Lebertoxizität Leberwerte engmaschig kontrollieren
Stiripentol Spiegel-Erhöhung, Sedierung Dosisanpassung nötig
Rufinamid Rufinamid-Spiegel sinkt Dosisanpassung beachten
Wichtig: CBD-Therapie bei Epilepsie erfordert regelmäßige Laborkontrollen (Leberwerte, Wirkstoffspiegel). Niemals ohne Rücksprache mit dem Neurologen beginnen oder dosieren.

Kann Cannabis bei anderen Epilepsie-Formen helfen?

Für andere Epilepsieformen als Dravet, LGS und TSC gibt es weniger belastbare Daten. Einzelfallberichte und kleinere Studien zeigen teils positive Effekte bei:

  • Fokaler Epilepsie: Einige Patienten berichten von Anfallsreduktion — Studien laufen
  • CDKL5-Defizienz-Störung: Phase-2-Daten positiv, noch keine Zulassung
  • Rett-Syndrom: Einzelfallberichte, keine RCT-Daten

In Deutschland ist ein Off-Label-Einsatz nach § 31 SGB V möglich, wenn eine begründete Einzelfallentscheidung vorliegt. Das erfordert immer einen spezialisierten Neurologen.

Teleklinik vs. Neurologe — Was kann ich wo bekommen?

Versorgungsweg Geeignet für Nicht geeignet für
Neurologe/Kinderneurologe Epidyolex, Off-Label-CBD, Epilepsie-Ersttherapie, Verlaufskontrollen
Teleklinik Medizinisches Cannabis bei anderen Indikationen (Schmerzen, Schlaf, ADHS, Angst) Epidyolex, aktive schwere Epilepsie
🏆 Medizinisches Cannabis via Teleklinik (andere Indikationen)

Für Schmerzen, Schlaf, Angst oder ADHS: CannaZen ist Testsieger 2026 — Rezept ab 9,99 €, schnelle Online-Konsultation.

CannaZen ansehen → Alle Telekliniken

Fazit — Cannabis bei Epilepsie

CBD (Epidyolex) ist ein echter Durchbruch für Patienten mit Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom. Es ist das erste Cannabis-Medikament mit EMA-Zulassung und GKV-Erstattung. Der Weg führt aber über spezialisierte Neurologen — nicht über Standard-Telekliniken für Freizeitkonsum oder andere Indikationen.

Wer medizinisches Cannabis für andere Indikationen sucht (Schmerzen, Schlaf, Angst, ADHS), findet über Telekliniken einen einfachen und günstigen Zugang: Teleklinik-Vergleich →

Häufige Fragen — Cannabis bei Epilepsie

Hilft Cannabis wirklich bei Epilepsie?
CBD (Cannabidiol) ist das erste Cannabis-Wirkstoff, der offiziell zur Epilepsiebehandlung zugelassen ist. Epidyolex (reines CBD) reduziert Anfälle bei Dravet-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom um bis zu 50 %. THC-haltiges Cannabis ist bei Epilepsie dagegen problematisch und wird in der Regel nicht empfohlen.
Welches Cannabis-Medikament ist bei Epilepsie zugelassen?
Epidyolex (Wirkstoff: Cannabidiol) ist von der EMA zugelassen für Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und TSC-assoziierte Anfälle. In Deutschland ist es seit 2019 verschreibungsfähig.
Kann ich Epidyolex per Teleklinik-Rezept bekommen?
Epidyolex ist ein verschreibungspflichtiges Fertigarzneimittel, das nur von spezialisierten Neurologen oder Kinderneurologen verordnet wird. Standard-Telekliniken stellen dafür in der Regel keine Rezepte aus. Für allgemeine medizinische Cannabis-Rezepte (andere Indikationen) sind Telekliniken jedoch geeignet.
Kann Cannabis Anfälle auch auslösen?
Ja — hochdosiertes THC kann bei manchen Epilepsiepatienten die Anfallsschwelle senken und Anfälle begünstigen. Daher ist reine CBD-Therapie Standard, kein THC-haltiges Cannabis.
Zahlt die Krankenkasse Epidyolex?
Epidyolex ist GKV-erstattungsfähig für die zugelassenen Indikationen (Dravet, LGS, TSC). Ein Antrag nach § 31 SGB V ist in der Regel nicht nötig, da es sich um ein regulär zugelassenes Arzneimittel handelt.
Welche Wechselwirkungen hat CBD bei Epilepsie-Medikamenten?
CBD hemmt CYP3A4 und CYP2C19 — das beeinflusst den Abbau von Clobazam (Onfi), Valproat und anderen Antiepileptika. Die Dosierung dieser Medikamente muss oft angepasst werden. Immer mit dem behandelnden Neurologen abstimmen.